Das NLZ macht Schule – der Präventionstag 2017 auf Biebers Höhen

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Am vergangenen Samstag, den 14.10.2017, fand der auch im Hinblick auf die im kommenden Jahr anstehende NLZ-Zertifizierung wichtige und sogenannte Präventionstag bei den Kickers statt.

Jörg Wagner begrüßte herzlich zunächst alle Jugendmannschaften um 9:15 Uhr im VIP-Raum – versehen auch mit einem eindringlichen Appell an alle, den Vorträgen mit der gebotenen Aufmerksamkeit und Ruhe zu folgen.

Als Vorspiel zum Einhören gab es einen „launigen Vortrag“ vom Archivar des Kickers-Fan-Museums, Harald Spoerl, der einen kleinen historischen Abriss von der „kleinen widerspenstigen Fußball-Stadt Offenbach“ gab: Über Vereine, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet und zeitnah wieder von der Bildfläche verschwanden, von Kickers-Spielern, die in verschiedenen Teams für Deutschland spielten, dem Pokalsieg 1970, … bis hin zu den Mythen um die Einführung zur Fußball-Bundesliga 1963, gab es einen kleinen Überblick über das Auf und Ab der Kickers. Ganz im Sinne: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ (Thomas Morus)

Nach einer kurzen Pause ging es dann in medias res: Während die Mannschaften der U10 bis U14 das Training der Profimannschaft besuchten, hörten die U15 bis U19-Mannschaften einen Vortrag der Robert-Enke-Stiftung zum Thema „Psychische Gesundheit im Nachwuchsleistungssport“: Der Sportjournalist und Buchautor Ronald Reng und der ehemalige Fußballprofi Martin Amedick (u. a. Borussia Dortmund und 1. FC Kaiserslautern) sprachen über verschiedene Krankheitsbilder wie z. B. den überhand nehmenden Stress, Burnout, Alkohol- und Nikotinabhängigkeit, Essstörungen und last not least schwerpunktmäßig über Depressionen und deren Symptome. Ronald Reng hatte im Jahr 2010 das äußerst lesenswerte Buch „Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben“ veröffentlicht. Er war mit dem früheren Nationaltorhüter Robert Enke befreundet und hat unmittelbar erlebt und nachhaltig gelernt, was diese komplexe Krankheit bedeuten kann. Martin Amedick litt zu seiner aktiven Zeit ebenfalls an Depressionen, überwand diese und wagte dann auch den Schritt in die Öffentlichkeit, um andere Menschen aufzuklären und damit zu helfen. Das war sehr, sehr gut und mutig! Heute lebt der 35jährige mit seiner Familie in Bielefeld, studiert dort Psychologie – und will nach seinem Bachelor dann den Master in Sportpsychologie machen und später gerne in einem Nachwuchs¬leistungs¬zentrum als Sportpsychologe arbeiten. Der beeindruckende Vortrag lebte auch gerade von dem dialogorientierten Wechselspiel der beiden Protagonisten: Sie spielten sich verbal die Bälle zu und forderten u. a. dazu auf, „wach zu sein und Brücken zu bauen – gerade auch als Mitspieler“. Abgerundet wurde das Ganze durch sehr gute Nachfragen aus dem jungen Publikum!

  • Zum Vertiefen dieses Programmpunkts u. a. nachfolgende Links:

Als Einstimmung auf den nach der Mittagspause anstehenden Vortrag „Anti-Doping“ gab unser Chef-Trainer Oli Reck dann einen kleinen Einblick über Doping-Kontrollen während seiner aktiven Zeit. Er berichtete dabei z. B. auch über die Anekdote einer „ausgefallenen Doping-Kontrolle“ nach einem Europapokalspiel seines damaligen Klubs Schalke 04 bei Panathinaikos Athen im Jahr 2001 („Das wäre heute alles nicht mehr vorstellbar.“) oder über die Doping-Enthüllungen vom früheren Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher in seinem Buch „Anpfiff“ aus dem Jahr 1987, das für einen riesen Wirbel in der Sportöffentlichkeit sorgte. Letztendlich brachte er seine Meinung wie immer mit sehr deutlichen Worten und klarem Blick auf den Punkt: „Doping macht keinen Sinn und ist höchst schädlich!“ Abschließend richtete Oli Reck den Blick auch noch mal zurück auf den vorherigen Abend und den 1:0-Heimsieg der Kickers gegen Eintracht Stadtallendorf: „Da standen 7 Spieler im Kickers-Aufgebot, die aus unserer eigenen Jugend stammen. Das kann und soll für Euch alle Motivation und Ansporn sein, den Weg bei Kickers Offenbach zu gehen!“ Parallel zu diesem Programmpunkt gab es im Presseraum für unsere Mannschaften der U10 bis U14 zusätzlich noch ein Gespräch mit Ronald Reng und Martin Amedick.

Nach dem wieder einmal – dank „unserer Köche“ Karl-Friedrich Wagener und Stefan Döring – sehr leckeren Mittagessen, das im NLZ am Wiener Ring bei besten Witterungsbedingungen eingenommen werden konnte, war für unsere Mannschaften der U10 und U11 die Veranstaltung zu Ende.

Für die U12 bis U19 ging es nach der Mittagspause weiter mit dem Vortrag von Marco Knipp von der Stiftung Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (kurz: NADA). In einem ebenfalls lebendigen und kurzweiligen Vortrag wurden die Zuhörer für das Thema Doping sehr gut sensibilisiert: Was ist Doping? Wie sieht das Regelwerk aus? Ausnahmen bei Krankheiten? Doping-falle Nahrungsergänzungsmittel? Wie sieht das Doping-Kontrollsystem aus? Welche Folgen kann Doping haben? Auch bei diesem Thema ist es wichtig, inhaltlich zu vertiefen: Die Homepage der NADA ist sehr gut aufbereitet und bietet einen hervorragenden Fundus. Einfach mal rein schauen unter Nada – es lohnt sich!!! Und natürlich gilt es zusätzlich, den eigenen Trainer/Betreuer und die medizinische Abteilung offen und vertrauensvoll zu kontaktieren.

Zum guten Abschluss gab es noch einen sehr sehenswerten Film aus dem Jahr 2014 zum Thema Anti-Rassismus mit dem Titel „Wie im falschen Film“. So habe er sich gefühlt, erzählt der ehemalige Bundesligaprofi und damalige U19-Trainer des Hamburger Sportvereins, Otto Addo, als er über seine Erfahrungen mit Rassismus in den 1990er Jahren spricht. Doch auch 20, 25 Jahre später trifft man immer wieder auf unterschiedliche Formen der Ausgrenzung. Wie Menschen in ganz unterschied¬lichen Umgebungen auf und neben dem Fußballplatz Vorurteile und Abwertung erleben und damit umgehen, zeigt diese Dokumentation. Neben Otto Addo sind die Hauptprotagonisten Anja Mittag (deutsche Nationalspielerin, die damals bei Malmö FF in Schweden unter Vertag stand) sowie Alexander Dolderer, der damals bei den Streetboys in einer Münchner Kreisklassen-Mannschaft spielte. Sehr, sehr empfehlenswerter Film – deshalb gilt: unbedingt noch mal anschauen unter Wieimfalschenfilm und auch dieses Thema vertiefen!!! Unter diesem Link gibt es u. a. auch ein pädagogisches Arbeitsheft als Download.

Die abschließenden Worte waren dann wieder die Sache von Jörg Wagner, der an dieser Stelle noch mal unseren Gästen Ronald Reng, Martin Amedick und Marco Knipp sowie Oliver Reck sehr dankte.

Nach dem Aufräumen des VIP-Raums gemeinsam mit unseren Jugendspielern war der Präventions¬tag 2017 dann gegen ca. 17:00 Uhr beendet. Die behandelten Themen aber haben gezeigt, dass sie über diesen Tag hinaus – sprich tagtäglich – äußerst wichtig sind und Orientierung für das Leben auch jenseits des Sports geben.

Dank gebührt abschließend an dieser Stelle natürlich auch unseren helfenden Kickers-Händen, ohne die eine solche Veranstaltung insgesamt nicht funktionieren würde: Markus Bonnesen, Sabrina Geller, Frank Hamburger, Silvia Wagener, Christian Weisshuhn, Karl-Friedrich Wagener & Stefan Döring und last not least Jörg Wagner.